Rund 75 % aller Unfälle passieren in der Freizeit – dort greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Die private Unfallversicherung zahlt bei bleibender Invalidität ein Kapital nach Gliedertaxe und Progression. Für Erwachsene kostet sie meist 150 bis 300 Euro pro Jahr.
Die private Unfallversicherung zahlt bei dauerhafter Invalidität nach einem Unfall eine Kapitalleistung – unabhängig davon, ob der Unfall in der Freizeit oder bei der Arbeit passiert. Das ist wichtig, weil rund 75 % aller Unfälle in der Freizeit geschehen und die gesetzliche Unfallversicherung dort nicht leistet.
Kosten und Leistung
| Merkmal | Richtwert |
|---|---|
| Prämie Erwachsener | ca. 150–300 €/Jahr (ca. 10–50 €/Monat) |
| Kernleistung | Invaliditätskapital nach Gliedertaxe |
| Progression | höhere Leistung ab meist 25 % Invalidität |
| Zusatz | Unfallrente ab meist 35–50 % Invalidität |
Für wen besonders wichtig?
Für Personen ohne gesetzlichen Unfallschutz in der Freizeit – etwa Kinder, Pensionist:innen und Menschen ohne Erwerbstätigkeit. Achten Sie auf eine ausreichend hohe Grundsumme und eine Progression von 225 % oder mehr.
Was beeinflusst die Prämie?
Die Jahresprämie einer privaten Unfallversicherung hängt von mehreren Stellschrauben ab. Als Richtwert liegen Erwachsenentarife je nach Deckung bei rund 7 bis 50 Euro pro Monat, ein typischer Tarif kostet etwa 16 Euro monatlich (Quelle: Arbeiterkammer, Konsumentenfragen). Die wichtigsten Preisfaktoren sind:
- Eintrittsalter: Ältere Personen zahlen mehr, weil das Unfallrisiko und die Heilungsdauer steigen.
- Beruf und Risikogruppe: Körperlich risikoreiche Tätigkeiten kosten deutlich mehr als reine Büroberufe.
- Höhe der Grund- bzw. Invaliditätssumme: der größte einzelne Preishebel.
- Progression (225 %, 500 % oder 750 %).
- Zusatzbausteine wie Unfallrente, Taggeld, Spitalgeld, Bergungskosten oder weltweiter Schutz.
Leistungen & Bausteine im Detail
Kern der Unfallversicherung ist das Invaliditätskapital. Über zusätzliche Bausteine lässt sich der Schutz an die eigene Lebenssituation anpassen:
| Baustein | Wozu er dient |
|---|---|
| Invaliditätskapital | Einmalzahlung nach Gliedertaxe bei bleibender Invalidität – die Kernleistung |
| Progression | überproportional höhere Leistung ab meist 25 % Invalidität |
| Unfallrente | lebenslange Rente ab meist 35–50 % Invalidität |
| Taggeld / Spitalgeld | Ausgleich bei Verdienstausfall bzw. für jeden Tag im Krankenhaus |
| Bergungs- & Rückholkosten | Bergung und Transport nach einem Unfall, auch aus dem Ausland |
| Kosmetische Operationen | Wiederherstellung nach unfallbedingten Verletzungen |
Gliedertaxe und Progression verstehen
Die Gliedertaxe ordnet jedem Körperteil einen festen Invaliditätsgrad zu. Für den Verlust eines Arms im Schultergelenk wird beispielsweise oft ein Invaliditätsgrad von rund 70 % angesetzt, für den Verlust eines Daumens etwa 20 %. Dieser Prozentsatz wird auf die vereinbarte Versicherungssumme angewendet. Die Progression sorgt dafür, dass die Leistung ab einem bestimmten Invaliditätsgrad überproportional ansteigt: Bei 500 % oder 750 % vervielfacht sich die Auszahlung bei schwerer Invalidität. Das ist besonders wichtig, weil gerade schwere Fälle – etwa mit dauerhaftem Pflegebedarf oder Umbaukosten – die höchsten Folgekosten verursachen. Prüfen Sie die Gliedertaxe und gleichen Sie sie mit Ihrem Beruf ab: Wer beruflich auf Hände, Finger oder feinmotorisches Arbeiten angewiesen ist (Handwerk, Musik, Chirurgie), sollte auf eine Taxe achten, die diese Körperteile hoch bewertet.
Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?
Verbraucherschützer empfehlen eine Grundsumme von mindestens 100.000 Euro, je nach Lebenssituation besser 150.000 Euro oder mehr, kombiniert mit einer Progression von 225 % oder höher. Die Summe sollte so bemessen sein, dass sie Einkommensausfall, Rehabilitationskosten und einen etwaigen behindertengerechten Umbau von Wohnung oder Auto abdecken kann. Für Kinder, Pensionist:innen und Menschen ohne Erwerbstätigkeit ist die private Unfallversicherung besonders wichtig, weil sie in der Freizeit keinen gesetzlichen Unfallschutz genießen – und rund 75 % aller Unfälle passieren in der Freizeit.
Häufige Fehler – worauf achten?
- Zu niedrige Grundsumme: Ohne ausreichende Summe und Progression reicht die Leistung bei schwerer Invalidität selten aus.
- Keine oder zu niedrige Progression – gerade schwere Fälle bleiben dann unterversichert.
- Gliedertaxe passt nicht zum Beruf: Die für Sie wichtigen Körperteile sind zu niedrig bewertet.
- Verwechslung mit Krankheit: Die Unfallversicherung leistet nur bei Unfällen, nicht bei Krankheit – dafür sind Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung zuständig.
Besonders wichtig für Kinder und Senioren
Weil rund 75 % aller Unfälle in der Freizeit passieren und die gesetzliche Unfallversicherung dort nicht leistet, ist die private Absicherung gerade für Menschen ohne Erwerbstätigkeit zentral. Kinder sind in der Freizeit gesetzlich nicht unfallversichert; Kindertarife sind vergleichsweise günstig und sichern bleibende Unfallfolgen über das ganze weitere Leben ab. Bei Senior:innen steigt das Risiko schwerer Sturzverletzungen und Knochenbrüche – hier sind eine ausreichende Grundsumme sowie mitversicherte Bergungs- und Rückholkosten besonders sinnvoll.
Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung?
Beide Produkte sichern unterschiedliche Risiken ab. Die Unfallversicherung zahlt ausschließlich nach Unfällen – doch nur ein kleiner Teil aller Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitsfälle geht auf Unfälle zurück; die meisten Ursachen sind Krankheiten. Die Berufsunfähigkeitsversicherung deckt beides – Krankheit und Unfall – und ersetzt Einkommen, ist aber deutlich teurer. Für Erwerbstätige gilt die Berufsunfähigkeitsversicherung daher als wichtigere Einkommensabsicherung; die Unfallversicherung ergänzt sie günstig um eine Kapitalleistung, ersetzt sie aber nicht.
Taggeld, Spitalgeld und Unfallrente
Neben dem einmaligen Invaliditätskapital lassen sich laufende Leistungen vereinbaren. Das Taggeld gleicht Verdienstausfall während der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit aus und ist vor allem für Selbstständige interessant. Das Spitalgeld wird für jeden Tag im Krankenhaus bezahlt und hilft, Zusatzkosten oder eine Sonderklasse zu finanzieren. Die Unfallrente setzt bei schwerer Invalidität – meist ab 35 bis 50 % – ein und sichert eine dauerhafte monatliche Zahlung, wenn der Unfall die Erwerbsfähigkeit langfristig beeinträchtigt.
Weltweiter Schutz rund um die Uhr
Ein wesentlicher Vorteil der privaten Unfallversicherung ist ihr Geltungsbereich: Sie leistet weltweit und rund um die Uhr – im Beruf, in der Freizeit, im Haushalt und auf Reisen. Damit schließt sie genau die Lücke, die die gesetzliche Unfallversicherung außerhalb von Arbeit und Arbeitsweg offenlässt. Achten Sie darauf, dass Bergungs- und Rückholkosten ausreichend hoch mitversichert sind, da diese im Ausland schnell teuer werden.
Versicherungssumme regelmäßig anpassen
Der Absicherungsbedarf ändert sich im Lauf des Lebens. Nach einem Gehaltssprung, dem Kauf einer Immobilie oder mit Familienzuwachs sollte die Versicherungssumme überprüft und angehoben werden, damit sie im Ernstfall den tatsächlichen Bedarf deckt. Viele Tarife bieten eine Dynamik, die Summe und Prämie automatisch erhöht und so einer schleichenden Unterversicherung vorbeugt. Prüfen Sie außerdem regelmäßig, ob die vereinbarte Progression und die Gliedertaxe noch zu Ihrer beruflichen und privaten Situation passen.
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